Das Schicksalsjahr der Angelsachsen

Das Jahr 1066 ist nicht nur „Hastings“, nein die Zeit von Weihnachten 1065 bis Weihnachten 1066 war das Schicksalsjahr der Angelsachsen und besiegelte deren Untergang:

  • 24.Dez.1065: Einweihung der Abbey zu St. Peter, schon damals „Westminster Abbey“ genannt. Die Vorgängerkirche der heutigen Abbey wurde von Eduard dem Bekenner gebaut, sie ist sein Lebenswerk und seither und bis heute Krönungs- und Begräbniskirche der Könige von England. Ursprünglich war an diesem Ort eine Benediktinerabtei und St. Peter deren Klosterkirche. Sie ist anglikanisch-reformiert und nicht zu verwechseln mit der katholischen Westminster Cathedral.
  • 5. Jan.1066: König Eduard der Bekenner *1004, r. 1042-1066, stirbt. Er war der Sohn von Aethelred II und Emma von der Normandie. Die wichtigsten Aufgaben eines Königs, nämlich einen Thronfolger zu zeugen und sein Land zu regieren erfüllte er nicht. Dafür war er Sponsor, Mäzen, Erbauer der „Westminster Abbey“ und er unterstützte die Bedürftigen in seinem Land. Aufgrund seiner Wohltätigkeit bei bescheidenem Lebenswandel wurde er von Papst Alexander III. im Jahr 1161 heilig gesprochen, so dass sein präziser Name lautet: Der Hl. Eduard der Bekenner bzw. auf Englisch „St. Edward, the Confessor“.
  • 6. Jan. 1066: Der „Witan“, die Versammlung der Bischöfe, Äbte und Fürsten, wählt als neuen König Harold II. aus der Familie Godwinson. Harold II. von England, *1022 – 1066, König vom 6.1.1066 bis 14.10.1066, hatte keinerlei dynastischen Thronanspruch, sondern seine Wahl war das Ergebnis eines raffinierten und langfristig angelegten Plans seines Vaters. Damit sage ich nicht, dass dies eine schlechte Wahl war. Über seine Einsetzung als König waren die Engländer auch nicht unglücklich, denn für das Volk war es ohnehin egal, unter welchem König sie ihr entbehrungsreiches Leben führten. Hingegen war Wilhelm II., Herzog der Normandie, stinksauer. Er glaubte nämlich, selber  einen Anspruch auf den Thron von England zu haben, was sehr weit hergeholt war.
    Harold Godwinson wird auch „Der letzte angelsächsische König“ genannt.
  • März 1066: Wilhelm II. schmiedet mit Fürsten aus der Normandie und aus den benachbarten Herzogtümern eine Allianz zur Eroberung von England. Im März erscheint der Halley’sche Komet, der die Angelsachsen verängstigt und die Eroberer als „himmlisches Zeichen“ ermuntert. Diese himmlische Erscheinung wird auch auf dem „Teppich von Bayeux“ festgehalten.

20 longhaired Star

Bild Teppich von Bayeux „The longhaired Star = Der Halley’sche Komet
©Bewilligung der Stadt Bayeux

  • April – Juli 1066: Wilhelm der Eroberer versammelt seine Flotte in Dives-sur-Mer und bereitet sie auf die Invasion von England vor. Es kann aber nicht sein, dass alle Schiffe der Invasionsflotte dort gebaut worden sind, wie dies in vielen Publikationen vorgeschlagen wird.
  • Mai 1066: Tostig Godwinson, der abtrünnige und verstossene Bruder des neuen Königs von England bemächtigt sich eines Teils der Flotte und versucht einen Aufstand gegen den König von England. Er segelt von der Isle of Wight über den Hafen von Sandwich und die Mündung des Humber nach Norden. Wie wir später sehen werden, trifft er sich mit dem alten Wikinger-Kämpen (und Waräger a.D.) Harald  III „Harderade“, König von Norwegen.
  • anfangs Sept. 1066: König Harold II von England muss den „Fyrd“, seine bäuerliche Milizarmee nach Hause entlassen, damit die Ernte eingebracht werden kann und da sonst im nächsten Winter in England Hunger herrschen würde. Kurz darauf macht Wilhelm einen Invasionsversuch (meine Meinung, siehe auch: Die Flotte setzt ihre Segel), scheitert aufgrund eines starken Westwindes und rettet seine Flotte in den Hafen von Saint-Valéry-sur-Somme.
  • 20. Sept. 1066: Eine starke Armee von Wikingern aus Norwegen und den Orkneys fährt über die Mündung des Humber in den River Ouse, verlässt ihre Schiffe bei Ricall und marschiert nordwärts vor die Tore von York. Tostig hatte die Wikinger aufgehetzt und ermuntert, das angelsächsische Reich von Norden her zu erobern! Im heutigen Vorort von York, Fulford, treffen sie auf eine hastig rekrutierte Armee der nordischen Earls Edwin und Morcar; die Schlacht von Fulford Gate (südlich von York) entbrennt. Die Wikinger treiben die angelsächsische Streitmacht in die dortigen Sümpfe und schlagen sie vernichtend .
  • 25. Sept. 1066: Die Noblen von York treffen sich wie verabredet in Stamford Bridge, NE von York zum Geiselaustausch und Abgabe des Tributes. Dies ist nach meiner Meinung ein merkwürdiges Vorgehen der Sieger (Zeitablauf? Ort?). Plötzlich erscheint im Herbst-Sonnenlicht eine Armee, angeführt von König Harold II. Godwinson. An der Brücke (ev. war es auch nur ein Steg) und auf dem östlichen Hügel entwickelt sich die Schlacht von Stamford Bridge. Die Wikinger werden geschlagen, der klägliche Rest der norwegischen Streitmacht wird auf wenigen Schiffen nach Hause geschickt. Sowohl der abtrünnige Tostig Godwinson, als auch König Harald von Norwegen lassen ihr Leben.
    Warum man sich erst nach fünf Tagen und weit ausserhalb der besiegten Stadt getroffen hat, kann nur vermutet werden.

21 Stamford Bridge s w

Denkmal in Stamford Bridge, NE York  (und nicht etwa das in London!)
Photo: Urs Pape

  • 27. Sept. 1066: Wilhelm glaubte fast nicht mehr daran, aber an diesem Tag sind die Wetter- und Windbedingungen endlich günstig und die Flotte segelt Richtung England.
  • 28. Sept. 1066: Wilhelm’s Flotte landet am frühen Morgen „into Pevensey“, dies bedeutet nach meiner Meinung in der Bucht bei Pevensey (die Küste von Südengland sah damals anders aus!). Er trifft auf keinen Widerstand! Wilhelm sendet sofort mehrere starke Patrouillen zu Pferd in alle Richtungen aus. Auftrag: Nahrung für seine Truppen besorgen, Nachrichten beschaffen (auch durch Folter!), Dorfgemeinschaften schikanieren, d.h. Dörfer abbrennen um Harold zu provozieren.
  • 14. Okt. 1066: Schlacht bei Hastings (und nicht von Hastings!) Sie fand auf einer Anhöhe mit dem Namen Senlac Hill statt. Heute steht dort das Städtchen mit dem sinnigen Namen Battle und auch die Abbey (-ruinen) wo Harold Godwinson gefallen sein soll. Der genaue Ort der Schlacht ist heute umstritten.
  • Ende Okt. bis Mitte Dez. 1066: „Tanz um London“, meine Bezeichnung für einen seltsamen „Umritt“ um London.
  • Weihnachtstag 1066: Krönung von Herzog Wilhelm II von der Normandie zum König Wilhelm I. von England  –>Rex Normannorum et Anglorum

Damit war erst die Ouvertüre zur Eroberung von England abgeschlossen. Es dauerte aber noch bis Herbst 1070 bis Wilhelm die volle Macht über sein neues Königreich besass – er musste sie in vielen  Scharmützeln und langen Reisen durch England erzwingen!